© Marco Schilling
2. Februar 2026
Hector Wissen­schafts­preis 2025

Schwarm­ver­hal­ten und Herzhei­lung im Fokus – Hector Wissen­schafts­preise gehen an Iain Couzin und Stefa­nie Dimmeler

Prof. Dr. Iain Couzin und Prof. Dr. Stefa­nie Dimme­ler erhal­ten in diesem Jahr den mit jeweils 200.000 Euro dotier­ten Wissen­schafts­preis der Weinhei­mer Hector Stiftung. Damit würdigt die Jury die heraus­ra­gen­den Forschungs­leis­tun­gen des briti­schen Biolo­gen, der an der Univer­si­tät Konstanz und am Max-Planck-Insti­tut für Verhal­tens­bio­lo­gie die Mecha­nis­men kollek­ti­ven Verhal­tens erforscht, sowie der Biolo­gin und Bioche­mi­ke­rin, die an der Goethe-Univer­si­tät Frank­furt neue Wege zur Repara­tur geschä­dig­ter Herzen entwickelt.

Prof. Dr. Iain D. Couzin FRS ist Direk­tor am Max-Planck-Insti­tut für Verhal­tens­bio­lo­gie und Profes­sor für Biodi­ver­si­tät und Kollek­tiv­ver­hal­ten an der Univer­si­tät Konstanz. Zudem ist er Sprecher des von der Deutschen Forschungs­ge­mein­schaft (DFG) geför­der­ten Centre for the Advan­ced Study of Collec­tive Behaviour der Univer­si­tät Konstanz. Er gilt inter­na­tio­nal als einer der führen­den Exper­ten für kollek­ti­ves Verhal­ten von Tieren und unter­sucht, wie sich aus einfa­chen Verhal­tens­re­geln einzel­ner Tiere erstaun­lich komplexe Muster in Gruppen ergeben. Mit Hilfe von automa­ti­sier­tem Track­ing, compu­ter­ge­stütz­ter Bildana­lyse, theore­ti­schen Model­len – zum Beispiel dem so genann­ten „Couzin‑Modell“ – und Robotik gelingt es ihm und seinem Team, die Dynamik von Fisch­schwär­men und Insek­ten­ko­lo­nien im Labor und in natür­li­chen Umgebun­gen präzise zu quanti­fi­zie­ren. Iain Couzins Forschung steht beispiel­haft für die Etablie­rung moder­ner quanti­ta­ti­ver Verhal­tens­bio­lo­gie und für einen nachhal­tig prägen­den Beitrag zum Verständ­nis kollek­ti­ver Systeme.

Prof. Dr. Stefa­nie Dimme­ler ist Profes­so­rin für Moleku­lare Kardio­lo­gie an der Goethe-Univer­si­tät Frank­furt und Vorstands­vor­sit­zende des Deutschen Zentrum für Herz-Kreis­lauf-Forschung (DZHK), sowie Spreche­rin des von der DFG geför­der­ten Exzel­lenz­clus­ters Cardio-Pulmo­nary Insti­tute. Sie zählt zu den inter­na­tio­nal profi­lier­ten Forsche­rin­nen auf dem Gebiet der Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und gehört diszi­plin­über­grei­fend zu den höchst­zi­tier­ten Wissen­schaft­le­rin­nen Deutsch­lands. In ihrer Forschung unter­sucht sie, welche zellu­lä­ren und moleku­la­ren Mecha­nis­men zum Verlust von Herz- und Gefäß­zel­len beitra­gen – etwa nach einem Herzin­farkt – und wie sich daraus neue regene­ra­tive Thera­pien ablei­ten lassen. Ein beson­de­rer Schwer­punkt ihrer Arbeit liegt auf nicht-kodie­ren­den RNAs – kleinen „Schal­tern“ in unseren Zellen, die steuern, welche Gene aktiv sind – sowie auf körper­ei­ge­nen Repara­turme­cha­nis­men für geschä­dig­tes Gewebe. Die Arbei­ten von Stefa­nie Dimmler zeigen eindrucks­voll, wie sich Erkennt­nisse aus der moleku­la­ren Forschung in konkrete klini­sche Anwen­dun­gen überset­zen lassen und finden Eingang in die Entwick­lung klini­scher Diagnose- und Therapiekonzepte.

Zur Preis­ver­lei­hung am Freitag, 30. Januar 2026 trafen sich der Vorstand der Hector Stiftung sowie frühere Preisträger*innen im Hotel „Europäi­scher Hof“ in Heidel­berg. Stifter Dr. h.c. Hans-Werner Hector hieß die beiden neuen Preisträger*innen im Kreis der nunmehr 34 Hector Fellows willkom­men, die sich gemein­sam für inter­dis­zi­pli­näre Spitzen­for­schung in Deutsch­land engagieren.