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Pressemitteilung
Hector Wissen­schafts­preis 2025

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2. Februar 2026

Schwarm­ver­hal­ten und Herzhei­lung im Fokus

Wissen­schafts­preise der Weinhei­mer Hector Stiftung gehen an den Biolo­gen Iain Couzin und die Herz-Kreis­lauf-Forsche­rin Stefa­nie Dimmeler

Prof. Dr. Katrin Amunts

Prof. Dr. Iain Couzin und Prof. Dr. Stefa­nie Dimme­ler erhal­ten in diesem Jahr den mit jeweils 200.000 Euro dotier­ten Wissen­schafts­preis der Weinhei­mer Hector Stiftung. Das Bild zeigt sie gemein­sam mit den Stiftern Josephine und Dr. h.c. Hans-Werner Hector (von links). Bildnach­weis: Marco Schil­ling

 

Weinheim. Prof. Dr. Iain Couzin und Prof. Dr. Stefa­nie Dimme­ler erhal­ten in diesem Jahr den mit jeweils 200.000 Euro dotier­ten Wissen­schafts­preis der Weinhei­mer Hector Stiftung. Damit würdigt die Jury die heraus­ra­gen­den Forschungs­leis­tun­gen des briti­schen Biolo­gen, der an der Univer­si­tät Konstanz und am Max-Planck-Insti­tut für Verhal­tens­bio­lo­gie die Mecha­nis­men kollek­ti­ven Verhal­tens erforscht, sowie der Biolo­gin und Bioche­mi­ke­rin, die an der Goethe-Univer­si­tät Frank­furt neue Wege zur Repara­tur geschä­dig­ter Herzen entwickelt.

Im Rahmen des 30-jähri­gen Jubilä­ums der Hector Stiftun­gen begrüßte Uwe Bleich, Mitglied des Vorstands, alle anwesen­den Gäste. In seiner Rede dankte er herzlich den Stiftern Josephine und Hans-Werner Hector und betonte, die Hector Stiftung folge seit Gründung dem zentra­len Gedan­ken, dass unter­neh­me­ri­scher Erfolg Verant­wor­tung für Bildung, Wissen­schaft, Gesund­heit, Kultur und soziale Teilhabe begründe.

Im Anschluss begrüßte Uwe Bleich Prof. Dr. Iain Couzin und Prof. Dr. Stefa­nie Dimmler als neue Preis­trä­ger im Kreis der Hector Fellows. In ihren Lauda­tio­nes beton­ten Prof. Dr. Ralph Barten­schla­ger und Prof. Dr. Dr. Chris­toph Klein überein­stim­mend, dass die großen Fragen unserer Zeit nicht inner­halb einzel­ner Diszi­pli­nen, sondern nur im Zusam­men­spiel über Fachgren­zen hinweg beant­wor­tet werden können. Neben hochin­no­va­ti­ver und visio­nä­rer Forschung bedürfe es dafür insbe­son­dere Wissenschaftler*innen, die Verant­wor­tung überneh­men. Mit diesen Eigen­schaf­ten fügen sich die beiden Preis­trä­ger ideal in das inter­dis­zi­pli­näre Spitzen­netz­werk der Hector Fellow Academy ein.

Prof. Dr. Iain D. Couzin FRS ist Direk­tor am Max-Planck-Insti­tut für Verhal­tens­bio­lo­gie und Profes­sor für Biodi­ver­si­tät und Kollek­tiv­ver­hal­ten an der Univer­si­tät Konstanz. Zudem ist er Sprecher des von der Deutschen Forschungs­ge­mein­schaft (DFG) geför­der­ten Centre for the Advan­ced Study of Collec­tive Behaviour der Univer­si­tät Konstanz. Er gilt inter­na­tio­nal als einer der führen­den Exper­ten für kollek­ti­ves Verhal­ten von Tieren und unter­sucht, wie sich aus einfa­chen Verhal­tens­re­geln einzel­ner Tiere erstaun­lich komplexe Muster in Gruppen ergeben – und wie solche Gruppen gemein­sam Entschei­dun­gen treffen.

Mit Hilfe von automa­ti­sier­tem Track­ing, compu­ter­ge­stütz­ter Bildana­lyse, theore­ti­schen Model­len – zum Beispiel dem so genann­ten „Couzin‑Modell“ – und Robotik gelingt es ihm und seinem Team, die Dynamik von Fisch­schwär­men und Insek­ten­ko­lo­nien im Labor und in natür­li­chen Umgebun­gen sowie von großen Tierher­den wie z.B. Zebras in freier Wildbahn präzise zu quanti­fi­zie­ren. Couzins Arbei­ten haben das Verständ­nis kollek­ti­ven Verhal­tens maßgeb­lich geprägt: Sie zeigen, wie sich Infor­ma­tio­nen in Tiergrup­pen ausbrei­ten, wie sich Führungs­rol­len spontan heraus­bil­den und wie Schwärme auf Umwelt­ver­än­de­run­gen reagieren.

Iain Couzins Forschung steht beispiel­haft für die Etablie­rung moder­ner quanti­ta­ti­ver Verhal­tens­bio­lo­gie und für einen nachhal­tig prägen­den Beitrag zum Verständ­nis kollek­ti­ver Systeme.

Prof. Dr. Stefa­nie Dimme­ler ist Profes­so­rin für Moleku­lare Kardio­lo­gie an der Goethe-Univer­si­tät Frank­furt und Vorstands­vor­sit­zende des Deutschen Zentrum für Herz-Kreis­lauf-Forschung (DZHK), sowie Spreche­rin des von der DFG geför­der­ten Exzel­lenz­clus­ters Cardio-Pulmo­nary Insti­tute. Sie zählt zu den inter­na­tio­nal profi­lier­ten Forsche­rin­nen auf dem Gebiet der Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und gehört diszi­plin­über­grei­fend zu den höchst­zi­tier­ten Wissen­schaft­le­rin­nen Deutsch­lands. In ihrer Forschung unter­sucht sie, welche zellu­lä­ren und moleku­la­ren Mecha­nis­men zum Verlust von Herz- und Gefäß­zel­len beitra­gen – etwa nach einem Herzin­farkt – und wie sich daraus neue regene­ra­tive Thera­pien ablei­ten lassen.

Ein beson­de­rer Schwer­punkt ihrer Arbeit liegt auf nicht-kodie­ren­den RNAs – kleinen „Schal­tern“ in unseren Zellen, die steuern, welche Gene aktiv sind – sowie auf körper­ei­ge­nen Repara­turme­cha­nis­men für geschä­dig­tes Gewebe. Mit ihrem Team hat Stefa­nie Dimme­ler gezeigt, wie die innere Gefäß­aus­klei­dung (Endothel) reguliert wird und wie sich Gefäß­schutz und Heilungs­pro­zesse gezielt stärken lassen – auch um vorzei­tige Alterungs­pro­zesse des Herzens abzuschwä­chen. Damit hat ihre Forschung neue zellu­läre und medika­men­töse Ansätze für die Regene­ra­tion von Herz und Gefäßen voran­ge­bracht und nicht-kodie­rende RNAs als mögli­che Ansatz­punkte für zukünf­tige Thera­pien etabliert.

Die Arbei­ten von Stefa­nie Dimmler zeigen eindrucks­voll, wie sich Erkennt­nisse aus der moleku­la­ren Forschung in konkrete klini­sche Anwen­dun­gen überset­zen lassen und finden Eingang in die Entwick­lung klini­scher Diagnose- und Therapiekonzepte.

Über die Hector Stiftungen

Die H.W. & J. Hector Stiftung wurde 1995 von dem Ehepaar Josephine und Dr. h.c. Hans-Werner Hector in Weinheim an der Bergstraße gegrün­det. 2008 wurde als Ergän­zung die Hector Stiftung II ins Leben gerufen.

Folgende Kernbe­rei­che werden von den Stiftun­gen gefördert:

  • Wissen­schaft und Bildung: Förde­rung von talen­tier­ten und hochbe­gab­ten jungen Menschen (Hector Kinder­aka­de­mie, Hector Seminar), insbe­son­dere im natur­wis­sen­schaft­li­chen Bereich; Hector-Insti­tut für Empiri­sche Bildungs­for­schung an der Univer­si­tät Tübin­gen; Förde­rung heraus­ra­gen­der Wissenschaftler*innen mit dem Hector Wissen­schafts­preis sowie Förde­rung von exzel­len­ten Nachwuchswissenschaftler*innen und inter­dis­zi­pli­nä­ren Projek­ten im Netzwerk der Hector Fellows in der Hector Fellow Academy; Förde­rung von Perso­nal­fonds für Elite-Univer­si­tä­ten. 2020 sagte die Stiftung zum Beispiel eine Förde­rung von bis zu 100 Millio­nen Euro für das Projekt „AI Breakth­rough Hub“ im Tübin­ger „Cyber Valley“ zu, einem der größten Forschungs­ko­ope­ra­tio­nen für Künst­li­che Intel­li­genz in Europa.
  • Medizi­ni­sche Forschung: Hector Insti­tut für Trans­la­tio­nale Hirnfor­schung (HITBR) zusam­men mit dem DKFZ Heidel­berg und dem ZI Mannheim; DKFZ-Hector Krebs­in­sti­tut an der Univer­si­täts­me­di­zin Mannheim; Hector-Center für Ernäh­rung, Bewegung und Sport am Univer­si­täts­kli­ni­kum Erlan­gen; Hector Insti­tut für Künst­li­che Intel­li­genz in der Psych­ia­trie am ZI Mannheim (HITKIP).
  • Soziale Projekte: Förde­rung von Projek­ten für Menschen mit Behin­de­rung und sozial benach­tei­lig­ter Gruppen.
  • Kunst und Kultur: Unter anderem maßgeb­li­che Förde­rung des Neubaus der Mannhei­mer Kunsthalle.

In Würdi­gung ihrer Verdienste erhiel­ten Josephine und Hans-Werner Hector zahlrei­che Auszeich­nun­gen, darun­ter das Bundes­ver­dienst­kreuz (2003), den Verdienst­or­den des Landes Baden-Württem­berg (2014), die Leibniz-Medaille der Berlin-Branden­bur­gi­schen Akade­mie der Wissen­schaf­ten (2017), den Stifter- und Stifte­rin­nen­preis der Evange­li­schen Landes­kir­che und der Diako­nie Baden (2018), den bayeri­schen Stifter­preis (2018) und den Univer­si­täts­preis der Univer­si­tät Tübin­gen (2023). 2003 verlieh die Univer­si­tät Karls­ruhe Hans-Werner Hector die Ehren­dok­tor­würde. Seit Dezem­ber 2011 sind die Eheleute Hector Ehren­bür­ger von Weinheim und seit 2024 Ehren­mit­glie­der der Lebens­hilfe Weinheim.

 

Alle „Hector Fellows“ auf einen Blick

Preis­ver­lei­hung 2026: Prof. Dr. Iain Couzin (Univer­si­tät Konstanz und Max-Planck-Insti­tut für Verhal­tens­bio­lo­gie) und Prof. Dr. Stefa­nie Dimme­ler (Goethe-Univer­si­tät Frank­furt und Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung).

Preis­ver­lei­hung 2025: Prof. Dr. Stefa­nie Dehnen (Karls­ru­her Insti­tut für Techno­lo­gie) und Prof. Dr. Dr. h.c. Matthias H. Tschöp (Techni­sche Univer­si­tät München und Helmholtz Zentrum München).

Preis­ver­lei­hung 2024: Prof. Dr. Magda­lena Götz (Ludwig-Maximi­li­ans-Univer­si­tät München und Insti­tut für Stamm­zel­len­for­schung am Helmholtz Zentrum München) und Prof. Dr. Klaus-Robert Müller (Techni­sche Univer­si­tät Berlin und Berlin Insti­tute for the Founda­ti­ons of Learning and Data).

Preis­ver­lei­hung 2023: Prof. Dr. Anna Wienhard (Max-Planck-Insti­tut für Mathe­ma­tik in den Natur­wis­sen­schaf­ten, Leipzig) und Prof. Dr. Dr. h.c. Chris­tian Haass (Ludwig-Maximi­li­ans-Univer­si­tät München).

Preis­ver­lei­hung 2022: Prof. Dr. Katrin Amunts (Heinrich-Heine-Univer­si­tät Düssel­dorf und Forschungs­zen­trum Jülich).

Preis­ver­lei­hung 2021: Prof. Dr. Patrick Cramer (Max-Planck-Insti­tut für biophy­si­ka­li­sche Chemie Göttin­gen, Präsi­dent der Max-Planck-Gesellschaft).

Preis­ver­lei­hung 2020: Prof. Dr. Wolfgang Werns­dor­fer (Karls­ru­her Insti­tut für Technologie).

Preis­ver­lei­hung 2019: Prof. Dr. Bernhard Schöl­kopf (Max-Planck-Insti­tut für Intel­li­gente Systeme Tübingen).

Preis­ver­lei­hung 2018: Prof. Dr. Brigitte Röder (Univer­si­tät Hamburg).

Preis­ver­lei­hung 2017: Prof. Dr. Ralf Barten­schla­ger (Ruprecht-Karls-Univer­si­tät Heidelberg).

Preis­ver­lei­hung 2016: Prof. Dr. Peter Hegemann (Humboldt-Univer­si­tät Berlin).

Preis­ver­lei­hung 2015: Prof. Dr. Eva Grebel (Ruprecht-Karls-Univer­si­tät Heidel­berg) und Prof. Dr. Dr. Thomas Lengauer (Max-Planck-Insti­tut für Infor­ma­tik, Saarbrücken).

Preis­ver­lei­hung 2014: Prof. Dr. Antje Boetius (Univer­si­tät Bremen), Prof. Dr. Dr. Chris­toph Klein (Ludwig-Maximi­li­ans-Univer­si­tät München) und Prof. Dr. Karl Leo (Techni­sche Univer­si­tät Dresden).

Preis­ver­lei­hung 2013: Prof. Dr. Immanuel Bloch (Ludwig-Maximi­lian-Univer­si­tät München), Prof. Dr. Günter M. Ziegler (Freie Univer­si­tät Berlin) und Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Eberhart Zrenner (Eberhard-Karls-Univer­si­tät Tübingen).

Preis­ver­lei­hung 2012: Prof. Dr. Hilbert von Löhney­sen (Karls­ru­her Insti­tut für Techno­lo­gie), Prof. Dr. Axel Meyer (Univer­si­tät Konstanz) und Prof. Dr. Nikolaus Pfanner (Albert-Ludwigs-Univer­si­tät Freiburg).

Preis­ver­lei­hung 2011: Prof. Dr. A. Stephen K. Hashmi (Ruprecht-Karls-Univer­si­tät Heidel­berg), Prof. Dr. Jürg Leuthold (Karls­ru­her Insti­tut für Techno­lo­gie) und Prof. Dr. Jens Timmer (Albert-Ludwigs-Univer­si­tät Freiburg).

Preis­ver­lei­hung 2010: Prof. Dr. Manfred Kappes (Karls­ru­her Insti­tut für Techno­lo­gie), Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Franz Nestmann (Karls­ru­her Insti­tut für Techno­lo­gie) und Prof. Dr. Thomas Elbert (Univer­si­tät Konstanz).

Preis­ver­lei­hung 2009: Prof. Dr. Doris Wedlich (†), Prof. Dr. Peter Gumbsch und Prof. Dr. Martin Wegener (alle Karls­ru­her Insti­tut für Technologie).

 

Presse­mit­tei­lung der Hector Stiftung II vom 2. Februar 2026

Presse­kon­takt: Uwe Bleich, Vorstand der Hector Stiftung II, Am Schloss­berg 2, 69469 Weinheim

Telefon: + 49 (0) 6201 71 08 411
E‑Mail: u.bleich@hector-stiftung.com