Schwarmverhalten und Herzheilung im Fokus – Hector Wissenschaftspreise gehen an Iain Couzin und Stefanie Dimmeler
Prof. Dr. Iain Couzin und Prof. Dr. Stefanie Dimmeler erhalten in diesem Jahr den mit jeweils 200.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis der Weinheimer Hector Stiftung. Damit würdigt die Jury die herausragenden Forschungsleistungen des britischen Biologen, der an der Universität Konstanz und am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie die Mechanismen kollektiven Verhaltens erforscht, sowie der Biologin und Biochemikerin, die an der Goethe-Universität Frankfurt neue Wege zur Reparatur geschädigter Herzen entwickelt.
Prof. Dr. Iain D. Couzin FRS ist Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und Professor für Biodiversität und Kollektivverhalten an der Universität Konstanz. Zudem ist er Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour der Universität Konstanz. Er gilt international als einer der führenden Experten für kollektives Verhalten von Tieren und untersucht, wie sich aus einfachen Verhaltensregeln einzelner Tiere erstaunlich komplexe Muster in Gruppen ergeben. Mit Hilfe von automatisiertem Tracking, computergestützter Bildanalyse, theoretischen Modellen – zum Beispiel dem so genannten „Couzin‑Modell“ – und Robotik gelingt es ihm und seinem Team, die Dynamik von Fischschwärmen und Insektenkolonien im Labor und in natürlichen Umgebungen präzise zu quantifizieren. Iain Couzins Forschung steht beispielhaft für die Etablierung moderner quantitativer Verhaltensbiologie und für einen nachhaltig prägenden Beitrag zum Verständnis kollektiver Systeme.
Prof. Dr. Stefanie Dimmeler ist Professorin für Molekulare Kardiologie an der Goethe-Universität Frankfurt und Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), sowie Sprecherin des von der DFG geförderten Exzellenzclusters Cardio-Pulmonary Institute. Sie zählt zu den international profilierten Forscherinnen auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und gehört disziplinübergreifend zu den höchstzitierten Wissenschaftlerinnen Deutschlands. In ihrer Forschung untersucht sie, welche zellulären und molekularen Mechanismen zum Verlust von Herz- und Gefäßzellen beitragen – etwa nach einem Herzinfarkt – und wie sich daraus neue regenerative Therapien ableiten lassen. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf nicht-kodierenden RNAs – kleinen „Schaltern“ in unseren Zellen, die steuern, welche Gene aktiv sind – sowie auf körpereigenen Reparaturmechanismen für geschädigtes Gewebe. Die Arbeiten von Stefanie Dimmler zeigen eindrucksvoll, wie sich Erkenntnisse aus der molekularen Forschung in konkrete klinische Anwendungen übersetzen lassen und finden Eingang in die Entwicklung klinischer Diagnose- und Therapiekonzepte.
Zur Preisverleihung am Freitag, 30. Januar 2026 trafen sich der Vorstand der Hector Stiftung sowie frühere Preisträger*innen im Hotel „Europäischer Hof“ in Heidelberg. Stifter Dr. h.c. Hans-Werner Hector hieß die beiden neuen Preisträger*innen im Kreis der nunmehr 34 Hector Fellows willkommen, die sich gemeinsam für interdisziplinäre Spitzenforschung in Deutschland engagieren.